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ÖH Uni Wien: Offener Brief an Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer

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OTS0063 5 II 0345 OHW0001 Di, 22.Jän 2008
Gesellschaftspolitik/Burschenschaften/Antifaschismus/Anschlussjahr
ÖH Uni Wien: Offener Brief an Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer
Utl.: Schlagende Burschenschafter haben in der Hofburg nichts
verloren! =

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer,

In den Festsälen der Wiener Hofburg findet am kommenden Freitag, den 25. Jänner, der 55. Wiener Korporationsball statt. Der Wiener Korporationsring (WKR) ist die Vereinigung der deutschnationalen Burschenschaften in Wien und beinhaltet unter anderen die Burschenschaft Olympia, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuft wird.

Der antifaschistische Grundkonsens der 2. Republik und demokratiepolitisches Engagement an sich verlangen unserer Meinung nach ein unbedingtes Auftreten gegen die Geisteshaltungen, die in den im WKR versammelten Burschenschaften reüssieren und auf gesellschaftlichen Einfluss drängen.

Seit 1987 findet der WKR-Ball, wie zum Hohn dagegen und stolz auf der "Heimseite" des WKRs angegeben, in der Wiener Hofburg statt. Die Wiener Hofburg ist als Sitz der Bundespräsidentschaftskanzlei ein Gebäude, das zutiefst mit der Republik Österreich assoziiert wird. Die mit der Verwaltung der Hofburg betraute Burghauptmannschaft Österreich zählt dieses Gebäude zu den bedeutenden und einzigartigen historischen Bauwerken, die zum kulturellen Erbe Österreichs zählen bzw. bei denen eine besondere Verbundenheit zu der Republik Österreich gegeben ist.

Gerade heuer, da sich der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland zum 70sten Mal jährt, halten wir die offensichtliche Selbstverständlichkeit, mit dem das deutschnationale Milieu mit seinen Verflechtungen in die Neonazi-Szene an solcherart prominenter Lokalität seine zentrale Veranstaltung abfeiern kann für unerträglich.

Gerade auch die Geschichte der Wiener Universitäten, erwähnt sei nur der Fall Borodajkewycz, zeigt auf, dass gegen die akademischen Burschenschaften aus demokratiepolitischen Gründen aufgetreten werden muss. Gerade Sie selbst, Herr Fischer, waren in die damaligen studentischen Kämpfe verdienstvoll involviert!

Wir, die Hochschülerschaft an der Universität Wien rufen Sie daher mit diesem offenen Brief auf, gegen den Wiener Korporationsring und insbesondere den Skandal, dass der WKR-Ball in der Hofburg abgehalten werden kann, Stellung zu beziehen und Schritte dagegen zu unternehmen.

In diesem Sinn mit antifaschistischen Grüssen,

Marlies Wilhelm, Sophie Wollner, Fanny Rasul (Vorsitzteam der ÖH Uni Wien)

Rückfragehinweis:

ÖH Uni Wien - Öffentlichkeitsarbeit
Oona Kroisleitner, Tel.: 0699-19.77.61.902
Florian Birngruber, Tel.: 01-42.77-19530
Selin Naci, Tel.: 01-42.77-1933
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