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Mit Katzenmusik gegen Deutschtümelei

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Mit Katzenmusik gegen Deutschtümelei
Date 26.1.2008., 22:59
Name rat

Am Samstag, 26. Jänner 2008 fand ein Protest gegen die deutschnazionale Burschenschaft Olympia statt. Diese hatte für diesen Tag zu einem "nationalen Liederabend" mit dem einschlägig bekannten Rechsextremisten und NPD-Barden Jörg Hähnel geladen. Die Polizei behauptete zwar, dass nach Angaben der Burschenschafter der Liederabend nicht stattfinde, doch war ein massives Polizeiaufgebot vor Ort, das jede direkte Intervention gegen das Haus in der Gumpendorferstraße von vornherein ausschließen sollte.

Die umliegenden Straßen wurden großräumig für den Verkehr gesperrt. Ca. 150 Antifaschisten versammelten sich um 19.00 bei der U6 Station Gumpendorferstraße und gingen dann ca. 50 weiter bis zur ersten Absperung in Ruf- und Sichtweite des Hauses der Burschenschafter.

Dort angelangt und umgeben von 100en Polizistenen in Riot-Uniform wurde eine Kundgebung abgehalten. Ziel war es laut Aufruf, die nazionale Feier zu stören: Spielen wir den deutschnationalen, sexistischen, homophoben und antisemitischen Burschenschaftern ein Ständchen, bis ihnen die Ohren klingeln! Doch war einerseits die Anlage im Bus nicht sehr laut, andererseits hatte kaum einer Lärminstrumente mitgebracht und so war es eher eine ruhige Kundgebung, wenngleich davon ausgegangen werden kann, dass allein das massive Polizeiaufgebot und die Anwesenheit des Protestes sein Ziel erreichte. An den wenigen einsehbaren Fenstern der "Bude" der Olympia waren die ganze Zeit über ein paar Gesichter zu erkennen, die das Geschehen beobachteten. Nach einem längeren Aufenthalt mit Redebeiträgen und Sprechchören bewegte sich die Menge, die mittlerweile so an die 170 Köpfe zählte, begleitet von einer unzählbaren Anzahl an Polizeikräften über die Seitenstraßen rund um den Häuserblock, in dem sich die Bude befindet und kam kurz darauf auf der anderen Seite der Absperrung an. Dort gab es wieder eine Kundgebung mit Redebeiträgen und Sprechchören, diesmal allerdings etwas kürzer, und dann zog die Demonstration die Gumpendorferstraße entlang.

Es wurden etliche nicht sehr einfallsreiche Sprechchöre gerufen. Einzelne Leute verließen unterwegs die Demonstration, worauf die Polizei immer dann, wenn es sich um kleinere Gruppen handelte, sehr nervös reagierte und die Aktivisten "verfolgte". Der Grund dafür dürften die antifaschistischen Proteste vom Vortag gewesen sein, wo ca. 500 Antifaschisten gegen den Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) demonstrierten und das Ziel, die rechtsextreme Veranstaltung in der Wiener Hofburg zu stören, in die Tat umsetzten. Bei diesem Protest wurden u.a. Barrikaden errichtet und zahlreiche Scheiben gingen zu Bruch (siehe dazu die Berichte Brennende Barrikaden für Burschenschafter und Zorniger Protest gegen die Unpolitik). Im WKR, der sich selbst als eine "Arbeitsgemeinschaft der national-freiheitlichen, farbentragenden Korporationen" bezeichnet, sind 19 deutschnationale Studentenverbindungen organisiert, unter ihnen die Burschenschaft Olympia. (Weitere Infos zum WKR bei der Autonomen Uni Antifa unter Materialien)

Es dürfte sich um keinen Zufall handeln, dass der nazionale Liederabend genau einen Tag später angesetzt wurde, da bekannt ist, dass zum WKR-Ball zahlreiche Deutschtümler aus Österreich und Deutschland anreisen. Obwohl bei der "Katzenmusik statt Jammerbarden!" nicht die gleiche Dynamik entstand wie bei den Protesten am Vortag, war es insgesamt doch eine gelungene Demonstration, die am Ende doch noch relativ laut wurde und sich gegen 21.00 Uhr bei der U3 Station Neubaugasse auf der Mariahilferstraße auflöste.

Für alle, die an diesem Wochende bei einem weiteren antifaschistischen Protest in Wien teilnehmen wollen, sei auf die eine Kundgebung anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz hingewiesen. Am Sonntag, 27. Jänner 2008 findet um 16.00: beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa am Judenplatz im 1. Bezirk statt, mit einigen prominenten Redner. Im Anschluss daran gibt es ab 18.00 einen Filmabend in der nahe gelegenen Wipplingerstraße 23 (die Stiegen runter), wo der Film "Sein oder Nichtein" (Regie: Ernst Lubitsch, 1942) gezeigt wird.

Und am kommenen Mittwoch sind wieder Proteste gegen den wöchentlichen Farbenbummel der deutschnazionalen Burschenschaften an der Universität Wien zu erwarten. Diese treffen sich seit Jahren meistens mittwochs um 12.00 in der Aula der Universität, Dr. Karl Lueger Ring 1 (U2 Schottentor).