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Wehrhaft, freiheitlich und national

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"Schwert, der Ehre Wächter": Auch in Kärnten gab und gibt es zahlreiche VerbindungenDie Causa Martin Graf wirft ein Schlaglicht auf die Olympia Wien. Doch auch in Kärnten gibt es viele Burschenschaften.

Alfred Elste, Kleine Zeitung, Donnerstag, 29. Jänner 2009

„Wird Nationalratspräsidentin Prammer zusehen, wie sich gleich in ihrer Nach­barschaft eine rechtsextreme Zelle auf Parlamentskosten ein­richtet?", monierte Peter Pilz, Abgeordneter der Grünen, als ruchbar wurde, dass Mitarbeiter von Graf beim rechtsradikalen deutschen Internetversandhaus „Aufruhr" einschlägiges „Propa­ganda-" und „Bildungsmaterial" orderten. Erneut steht Martin Graf im Kreuzfeuer der Kritik. Bereits die Kür zum Dritten Na­tionalratspräsidenten verlief an­gesichts seiner Mitgliedschaft in der als rechtsextrem eingestuften Wiener Burschenschaft „Olym­pia" polemisch.

Alljährlich rücken die „schla­genden" Burschenschaften am Ulrichsberg ins Rampenlicht, wenn sie im „Wichs" an der Stelle der Kranzniederlegung Ehrenspalier stehen. An der mit dem Makel behafteten Gedenkstätte, Treffpunkt Rechtsradikaler zu sein, trat 2005 als Repräsentant der chargierten Abordnungen und Verbindungen Peter Mussi als Redner auf. Der FPÖ-Mann, Mitglied der Klagenfurter „Tauriska", war 1982 Vorsitzender des „Österreichischen Pennäler­rings" (ÖPR). dem Dachverband der „wehrhaft nationalfreiheitli­chen" Verbindungen. Ihm gehö­ren in Kärnten die „Arminia" (in Villach und Klagenfurt), „Gothia", „Tauriska" (beide Klagenfurt), „Gothia zu Teurnia" (Spittal), „Tigurina" (Feldkirchen) so­wie die „Technische Verbindung Hollenburg" (Ferlach) und die pennale Burschenschaft „Hans Steinacher" (Völkermarkt) an.

Völkischer Nationalismus

Um im Männerbund des „wehr­haft pennalen Corps Arminia" in Klagenfurt „aktiv" zu werden, ist das vollendete 14. Lebensjahr ebenso Voraussetzung wie das Bekenntnis zum „deutschen Kul­turkreis". Deutlicher in der Dikti­on des völkischen Nationalismus werden die korporierten Waffen­studenten der „Hollenburg", die sich verpflichtend zur „deutschen Kultur- und Volksgemein­schaft" bekennen und mit dem Wahlspruch „Kärnten frei und ungeteilt" den Mythos des „Kärntner Abwehrkampfes" be­mühen.

In der Zwischenkriegszeit prägten der „Anschluss"-Gedanke, die Schaffung einer großdeut­schen Nation, eines großdeut­schen Reiches und ein militanter Antisemitismus den weltan­schaulichen Standort. Dieses geistige Konglomerat führte di­rekt in den Schoß des National­sozialismus. Namhafte Führer der Kärntner NSDAP rekrutier­ten sich denn auch aus dem Lager der Waffenstudenten: Aus der Villacher „Arminia" stießen Hu­bert Klausner und Karl Fritz in die Führungsetage der NSDAP. Zum willfährigen Werkzeug der NS-Rasscnpolitik stieg der „Se­nior" der Klagenfurtcr „Markomannia" Odilo Globocnik auf.

Die Mensur öffnet den Zugang zur "lebenslangen Gemein­schaft". Zu diesem als „Kampf­spiel" mit rein sportlichem Cha­rakter und ritterlichem Verlauf bagatellisierten, anachronistisch anmutenden Ritus bekannte Jörg Haider, selbst Waffenstudent. 1989: „So eine Herausforderung ist ja nicht das Schlechteste." Für die Klagenfurier „Arminen", die im Signum des Waffenspruchs „Das Schwert, der Ehre Wächter" hervorheben, seit 1955 über tau­send Mensuren geschlagen zu ha­ben, ist sie ein „ungefährlicher sportlicher Wettkampf", der „et­was von der spannenden Drama­tik eines romantisch-ritterlichen Zweikampfes" hätte, bei dein es „auch um eine gewisse körperli­che Betätigung" gehe. Nach der Mensur preist man diese Erzie­hung zur Gewalt mit Bier. Sehr viel Bier.

An Schalthebeln der Macht

Welchen Einfluss die Burschen­schaften in der Politik ausüben, zeigt sich nicht erst seit Martin Graf und Heinz-Christian Strache. Mit Herbert Haupt, Jörg Hai­der und Jörg Freunschlag saßen ebenso Waffenstudenten an den zentralen Schallhebeln politi­scher Macht.

Gegen die nicht nur aus SP-Kreisen erhobenen Vorwürfe, der ÖPR stehe im „rechtsextre­men Eck", antwortete Udo Guggenbichler, 2007 Vorsitzender des ÖPR und Mitglied der „Hol­lenburg": „Hat die SPÖ verges­sen, dass eine Vielzahl ihrer Gründer Angehörige waffenstu­dentischer Korporationen waren und auch heute noch Waffenstu­denten in der vordersten Reihe vertreten sind?" Guggenbichler meinte wohl, aber nicht allein, den Wiener Bürgermeister Mi­chael Häupl, der in Jugendjahren der freischlagenden Pennäler­verbindung „Rugia" in Krems an­gehörte. Warum der ehemalige katholische Internatsschüler in das „blaue" Lager gewechselt war und sich bis zum Sprecher em­porarbeitete? Häupl: „Das waren einfach die wilderen Hund."

• Alfred Eiste ist Historiker und Publizist

REAKTION: „Menschenhatz" gegen die Olympia

KLAGENFURT. Von „Halb- und Un­wahrheiten" bei der Berichter­stattung über Burschenschaften spricht Bruno Burchart, Kärnt­ner „Olympia'-Mitglied aus St. Jakob im Rosental. Die Vorwür­fe gegen Mitarbeiter von Martin Graf - sie sollen bei einem ein­schlägigen Versandhaus im In­ternet Nazi-Material bestellt haben - seien falsch: „Man nimmt einfach nicht zur Kennt­nis, dass es sich hier um Fäl­schungen. Datenklau und Men­schenhatz handelt." Die Olym­pia habe keine weltanschauli­che Nähe zum NS-Regime, beteuert er. Vielmehr seien „alle mir bekannten" Burschenschaf­ten ab 1938 „verboten" worden. Was Burchart nicht sagt: Die Verbindungen gingen im NS-Studentenbund auf, was die meisten Mitglieder begrüßten.